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Pressestimmen


Camerata Wannsee in Hochform

"Die Arme kreisen - - - nun den Rumpf beugen - - - und auf der Stelle traben ..." Nein, wir befinden uns nicht in einem Gymnastikkreis der Gemeinde Wannsee, dennoch im Gemeindehaus Schuchardtweg, nämlich bei der Donnerstag-Probe der Camerata Wannsee an einem heiteren Mai-Abend im April. Auf die Körperbewegungen folgen zunächst noch unartikulierte aber rhythmische Geräusche, die in Stimmübungen übergehen – und sofort ist ein runder, geschulter Chorklang auszumachen. Kein Zweifel: da ist Musike drin!

Dann geht es in medias res, in die bereits weit gediehene Probenarbeit für die bevorstehenden Aufführungen. Auf dem Programm steht Franz Joseph Haydns Missa in angustiis, besser bekannt als "Nelson-Messe", ziemlich genau zum 250. Todestag dieses großen, bereits zu Lebzeiten verehrten und gefeierten Komponisten. Diese "Messe in Bedrängnis", Haydns einzige, die zu Anfang in einer moll-Tonart steht, entstand 1798 noch am Hofe des Fürsten Esterhazy, der Titel bezieht sich wohl auf die damals ganz Europa erschütternden Kriege und Eroberungszüge Napoleons. Die historische Situation liegt weit zurück, die Messe in der traditionell-katholischen Form und Satzfolge hat sich musikalisch längst emanzipiert zu einem zeitlos gültigen geistlichen Kunstwerk.

Zu erleben ist an diesem Abend eine kaum weniger als professionelle Chorprobe der Camerata Wannsee mit Jan Sören Fölster, der den Chor als Nachfolger von Georg Dieterich seit Herbst 2007 leitet und mit ihm in wohlbedachtem Wechsel mal bereits früher erklommene, mal neu zu erobernde musikalische Gipfel besteigt. In dieser Probenphase geht es bereits um Feinkorrekturen im Detail. Fölster markiert am Klavier die Orchesterstimmen, er führt die (an diesem Abend) ca. 35 Sänger freundlich, locker, zugleich konzentriert und Konzentration fordernd, lässt sie immer wieder auch ohne Klavierbegleitung singen und fordert sie zwischendurch auf zum "gemischt Stellen", um die Sicherheit der Stimmführung jedes Einzelnen ohne gleichstimmige Nachbarn zu trainieren – mit Erfolg, denn der Chor klingt auch buntgemischt aufgestellt treffsicher und engagiert.

Die erste Aufführung dann in besonders festlichem Rahmen des Gottesdienstes am Sonntag "Kantate", nachmittags in der Kirche St. Peter und Paul auf Nikolskoe, mit Bischof Wolfgang Huber als Prediger, Pfarrer Claus Marcus als Liturgen, Superintendent Sommer in der Gemeinde und Pfarrer Michael Raddatz in der Bassgruppe des Chores – nicht zu vergessen Bundespräsident Horst Köhler unter den Zuhörern. Von "Bedrängnis" in der herrlichen Haydn-Messe (abgesehen von der räumlichen Enge der überfüllten Kirche) kann freilich keine Rede sein in dieser Aufführung durch die sich selbst übertreffende Camerata Wannsee, ein vorzügliches Solistenquartett und das tüchtige aber gewiss aus Platzgründen sehr knapp besetzte Neue Barockorchester Berlin. Geradezu stürmischer Beifall noch vor dem Schlusschoral des Gottesdienstes, bei dem der Chor die Gemeinde verstärkt: "Ich singe dir mit Herz und Mund..."

Michael Jenne

("Der Wannseebote" Heft 6/7 Juni/Juli 2009)



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Vierte Venezianische Nacht

in der Friedenskirche mit Musik von Händel
und seinen Zeitgenossen

POTSDAM / SANSSOUCI - "Il Caro Sassone" – geliebter Sachse –, so nannten die Venezianer Georg Friedrich Händel nach der gefeierten Uraufführung der Oper "Agrippina" im Teatro San Giovanni Grisostomo im Dezember 1709. Des 300. Jahrestags der Opernaufführung und des 250. Todestags des Musikheroen aus Halle gedachten am Wochende sehr komplex konzipiert die Künstler und Organisatoren der IV. Venezianischen Nacht in und an der Friedenskirche. Vier Konzerte, drei in der Kirche und eines im Atrium, ermöglichten eine akustische Bekanntschaft mit komponierenden Zeitgenossen Händels in Italien (...).
(...)
Das dritte Konzert "Dixit Domino", ein früher Geniestreich von Händel, fing erst weit nach 23 Uhr an. Die Interpretation durch die "Camerata Wannsee" unter Leitung von Jan Sören Fölster und der Cammermusic Potsdam wurde zum absoluten Höhepunkt des schönen Festes. Und selbst eine Stunde nach Mitternacht zum Abschlusskonzert "La Notte" hielten noch viele Zuhörer aus. (mamü)

(Märkische Allgemeine Zeitung 14.07.2009)